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Foto-Aufnahmezeit bestimmen: Der Sonnenstand als Zeuge

Ein Schatten auf dem Bild ist im Grunde eine Sonnenuhr — man muss sie nur ablesen können.

Viele Fotos verraten ihre Aufnahmezeit direkt: In den EXIF-Metadaten stehen Datum und Uhrzeit. Doch diese Angaben fehlen oft — Messenger und soziale Netzwerke entfernen sie beim Hochladen — oder sie sind schlicht falsch, versehentlich oder absichtlich. Bleibt die Frage: Wann wurde das Bild wirklich aufgenommen? Wenn im Foto ein Schatten zu sehen ist, lässt sich das erstaunlich weit eingrenzen. Denn Länge und Richtung eines Schattens hängen eindeutig davon ab, wo die Sonne am Himmel steht — und die Sonne steht zu jeder Tageszeit an einem anderen Ort.

Warum ein Schatten wie eine Sonnenuhr funktioniert

Zwei Grössen beschreiben den Sonnenstand: der Höhenwinkel (wie hoch die Sonne über dem Horizont steht) und der Azimut (in welche Himmelsrichtung sie steht). Beide prägen den Schatten:

Kennt man zusätzlich Ort und Datum, ist der Sonnenstand für jede Uhrzeit exakt berechenbar. Das Werkzeug «Sonnenstand & Chronolokalisierung» dreht diese Rechnung um: Aus einem gemessenen Schatten schätzt es rückwärts die Uhrzeit, zu der die Sonne genau so gestanden haben muss.

Beispiel: vom gemessenen Schatten zur wahrscheinlichen Uhrzeit

Angenommen, auf einem Foto steht eine Person am Seeufer und wirft einen klaren Schatten. Ort und Datum lassen sich grob eingrenzen — der Ort etwa über die Uferlinie und markante Gebäude, das Datum aus dem Kontext. Damit reicht die im Bild messbare Geometrie:

Foto: Person am Seeufer, Schatten klar sichtbar Ort (aus Landmarken geschätzt): Zürich, 47.37° N / 8.54° O Datum (aus Kontext): 15.09.2025 Im Bild gemessen Körpergrösse H = 1.80 m Schattenlänge L = 3.10 m Schattenrichtung nach Nordost → Sonne im Südwest (Nachmittag) Rechnung tan(Höhenwinkel) = H / L = 1.80 / 3.10 = 0.58 Höhenwinkel h ≈ 30° Sonnenstand-Rechner (Ort + Datum + h = 30°) vormittags ~10:15 MESZ Sonne im Südost — verworfen nachmittags ~16:25 MESZ Sonne im Südwest ← passt zur Schattenrichtung Wahrscheinliche Aufnahmezeit: ca. 16:10–16:40 MESZ Kein Beweis: Schätzung ±20 min, Ort und Datum angenommen

Der Höhenwinkel von 30° kommt an diesem Tag zweimal vor — einmal vormittags, einmal nachmittags. Erst die Schattenrichtung (nach Nordost, die Sonne also im Südwesten) entscheidet die Frage zugunsten des Nachmittags. Für das reine Verhältnis der Rechnung sind die absoluten Meter übrigens egal: Ein 1,80-m-Mensch und ein 6-m-Mast liefern bei gleichem Höhenwinkel dasselbe Ergebnis.

Was Sie aus einem Foto herauslesen müssen

Für eine belastbare Schätzung brauchen Sie vier Dinge — je genauer, desto enger das Zeitfenster:

Wer die Geometrie nicht selbst ausmessen möchte, kann den KI-Agenten die Schritte im Auftrag ausführen lassen: Er misst, schlägt Ort und Datum vor und liefert das Zeitfenster mitsamt den Annahmen, auf denen es beruht. Weitere Anleitungen dieser Art finden Sie unter Wissen.

Das Ergebnis ist ein Hinweis, kein Beweis. Der Sonnenstand liefert eine plausible Zeitspanne, keine sekundengenaue Uhrzeit — und er steht und fällt mit den Annahmen: Stimmt der geschätzte Ort? Ist das Datum richtig? War der Untergrund eben und wurde der Schatten wirklich senkrecht gemessen? Ein schräger Blickwinkel, weiches Streulicht bei bewölktem Himmel oder ein Schatten, der über eine Treppe fällt, verfälschen die Messung. Das Werkzeug prüft ausserdem nicht, ob ein Bild echt oder bearbeitet ist; es rechnet nur die Geometrie. Und: Chronolokalisierung kann konkrete Menschen und Orte betreffen — nutzen Sie sie verantwortungsvoll, nur mit legitimem Anlass und im Rahmen des Datenschutzes.

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